Der Lohn in Deutschland

Stand 22.3.12

Löhne und Gehälter: Die Löhne und Gehälter der deutschen Arbeiter und Angestellten steigen Jahr für Jahr. Mal mehr, mal weniger. Je nachdem, was unsere Gewerkschafter und Arbeitgeber so aushandeln.

Von 1991 bis zum Jahr 2010 stiegen die Jahresbruttolöhne und -gehälter pro Arbeitnehmer um 8.600 € auf 28.300 €. Die Gesamtheit der Lohn- und Gehaltszahlungen stieg somit von 691 Mrd. auf 1020 Mrd. Euro.

Über die Erlöse der erwirtschafteten Produkte (BIP), müssen nicht nur die Löhne der Arbeiterschaft und die Gewinne der Unternehmer und Selbstständigen, sondern auch die Zinsanteile des Kapitals bedient werden!

Lohn/BIP-Vergleich: Vergleicht man nun den Anstieg der von den Arbeitern und Angestellten erbrachten Leistungen BIP (Bruttoinlandsprodukt) mit deren Entlohnung, dann wird schnell deutlich, dass hier die Verhältnismäßigkeit nicht mehr stimmt. Das BIP steigt schneller, als die Entlohnung. Die Arbeiterschaft wird nicht in vollem Umfang am Erwirtschafteten beteiligt. Denn sonst müssten die Löhne und das BIP gleichmäßig ansteigen. Vergleicht man die Jahre 1991/2010, dann ergibt sich ein Wachstum des BIP um 163%. Die Bruttolöhne und -Gehälter stiegen im gleichen Zeitraum nur um 144% an. Grafisch veranschaulicht wird sofort ersichtlich, dass das Wachstum der Produktivität nicht bei den Arbeitnehmern ankommt.

Lohn/BIP-Relation: Zeigt man das Wachstum der Löhne in Relation zum BIP dann wird sofort ersichtlich, dass ein Anstieg des Bruttosozialproduktes nicht im gleichen Maße der Arbeitnehmerschaft zu Gute kommt.

Unser bestehendes Geldsystem wirkt negativ auf das Lohnwachstum, da zusätzlich zur Entlohnung von Arbeitegeber (Gewinne) und Arbeitnehmer (Löhne und Gehälter) auch die Zinsen der Kapitalgeber erwirtschaftet werden müssen!

Wem kommt das Wachstum des BIP zugute, wenn es nicht bei denen ankommt, die es erwirtschaften?

Warum öffnet sich die Schere Arm-Reich immer mehr? Auch hier ein Indiz auf den Fehler (Zinseszins) in unserem Geldsystem? Wenn der Mehrwert, der durch BIP Wachstum erwirtschaftet wird nicht bei der Arbeiterschaft ankommt, dann kann er nur bei den Arbeit- und Kapitalgebern landen, und die sind in der Regel auf der "Reichen-Seite".

Zinserträge: Schaut man sich die Zinserträge an, die im selben Zeitraum erwirtschaftet wurden, dann wird die ganze Problematik deutlich. Neben den Löhnen und Gehältern müssen auch die Zinserträge über die Produkte erwirtschaftet werden.

Außer den Löhnen und Gehältern müssen Tag für Tag durch die Leistungen der Arbeiterschaft (1) auch die leistungslosen (Zins)Einkommen erwirtschaftet werden.

563 Mrd. Euro Zinszahlungen: Im Jahr 2008 wurde ein Maximum von 563 Mrd. Euro erreicht. Das sind im Schnitt pro Tag 1,5 Mrd. Zinsleistungen. Auch in "schlechten" Jahren erwirtschaftet das deutsche Volk Tag für Tag über 1 Mrd. Euro an zusätzlich Leistungen, nur um die Zinslasten bedienen zu können. Das sind Leistungen, die (nur) die Arbeiterschaft erbringt, aber letztendlich an deren Entlohnung fehlen.

(1) Zur Arbeiterschaft zähle ich natürlich auch die Firmenchefs, Konzernlenker und die Gruppen der Selbstständigen, denn auch die arbeiten (und oft nicht wenig). Genauso gehört unsere Oma zu den Empfängern eines leistungslosen (Zins)Einkommen, wenn sie bei ihrer Hausbank ein paar Euros angespart hat.


Reallohn:
Zeigt man nun die Gesamtheit der Bruttolöhne, dann zeigt dies einen Anstieg um 329 Milliarden Euro im Zeitraum von 1991 bis 2010. Wird die Inflationsrate aus den Löhnen herausgerechnet, dann erhält man den sogenannten Reallohn (inflationsbereinigter Bruttolohn). Auch hier zeigt sich deutlich, dass bei den abhängig Beschäftigten (Lohn- und Gehaltsempfänger) kein Wohlstandswachstum angekommen ist.

Gleicht das Lohnwachstum die Inflation aus? Nein, denn die Nettoreallöhne sinken!

Einkommensentwicklung: Helmut Creutz stellt dies in seiner Grafik (Nr. 137i) sehr plastisch dar. In den 16 Jahren von 1991 - 2007 ist das Volkseinkommen um 61 % gewachsen, die Nettolöhne aber nur um 30%. Im Gegensatz dazu stellt der überproportionale Zuwachs der leistungslosen Einkommen (Zinsen auf Geldvermögen) alles in den Schatten.

In Deutschland wächst das BIP (Bruttoinlandsprodukt) schneller als die Summe aller Löhne. Das darf nicht sein, denn dies bedeutet, dass eine (Geld)Umverteilung zu Nachteil der arbeitenden Bevölkerung stattfindet.
Merke:
Nur der arbeitende Bevölkerungsanteil erwirtschaftet Zinseinkommen auf Geldvermögen.

Bedenkt man, dass das Volkseinkommen (über das BIP) ausschließlich von den Lohn- und Gehaltsempfängern erwirtschaftet wurde, dann wird die Ungerechtigkeit des Lohn/Zins-Zuwachs (Schere) besonders deutlich. Der überproportionale Zuwachs der Zinseinkommen auf das Geldvermögen, konnte natürlich nur durch Reduzierung der Löhne und Gehälter realisiert werden.

Wachstumsentwicklung der Löhne: Vergleicht man das Wachstum des Stundenlohnes mit dem der Geldmenge, dann wird der eklatante Unterschied zwischen Geld und Arbeitskraft deutlich sichtbar. Der Wert der menschlichen Arbeitskraft ist in den letzten 63 Jahren um das 38fache gestiegen. Die Geldmenge jedoch nur um das 206fache.

Dies zeigt deutlich die Überbewertung des Geldes. Unser Wertesystem ist zu Gunsten des Geld(besitzes), und zu Ungunsten der Arbeitskraft(besitzer) angelegt. Das bedeutet, der Kapitalanteil steigt schneller als der Arbeitsanteil. So entsteht eine reale Werteverschiebung (Güterverschiebung) hin zu den Kapitalbesitzern.

Der Kapitalanteil steigt schneller als der Lohnanteil! So entsteht eine Werteverschiebung zu Gunsten der Kapitalbesitzer!

Umverteilung: Die Zinsen auf die Geldvermögen müssen erwirtschaftet werden, keine Frage. Dies ist aber nur durch Leistungserbringung, also durch Arbeit möglich. In Form von Aufschlägen und Abzügen auf Löhne, Waren und Leistungen werden diese Zinsen dann letztendlich an die (Geld)Vermögenden umgelenkt.

Die Geldvermögen steigen, die (Netto)Löhne sinken! Warum das so ist, versuche ich hier zu zeigen...




Empfehlenswertes zum Thema Löhne:

NachDenkSeiten:
Tarifrunde 2012 Medizin für eine kränkelnde Volkswirtschaft
INWO
(Helmut Creutz):
Der wahre Nettolohn Skandal
Helmut Creutz:
Einkommensentwicklung im Vergleich
Nachdenkseiten:
Lohn und Gehaltsentwicklung
Jahnke Infoportal:
Entwicklung der Einkommen in Deutschland
Böckler Stiftung:
Reallöhne rauf oder runter?
Böckler Stiftung:
Reallöhne abgehängt
Bild Zeitung:
(hat ganz sicher recht) Leider kein Link mehr vorhanden!